Die Wiener Polizei hat die kriminalpolizeiliche Anzeigenstatistik für das Jahr 2025 veröffentlicht. Die Gesamtzahl der Anzeigen ist gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken — gleichzeitig wurden mehr Fälle aufgeklärt als je zuvor. Ein differenziertes Bild, das einige klare Warnsignale enthält.
Gesamtbild: weniger Anzeigen, mehr Aufklärung
Insgesamt wurden 2025 in Wien 194.625 Fälle zur Anzeige gebracht — ein minimaler Rückgang gegenüber 194.981 im Jahr 2024. Deutlich positiver entwickelte sich die Aufklärungsquote: Sie stieg auf 44,6 % (2024: 43,4 %), die Zahl geklärter Delikte erhöhte sich auf 86.730. Die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen stieg auf 103.392.
Einbrüche: gemischtes Bild
Im Bereich der Vermögensdelikte — der größten Deliktsgruppe — gab es insgesamt einen Rückgang auf 126.647 Fälle. Positiv: Einbrüche in Wohnungen und Wohnhäuser gingen deutlich zurück (–13,2 %). Auch PKW-Diebstähle (–18,7 %) und Taschendiebstähle (–7,8 %) waren rückläufig.
Weniger erfreulich: Einbrüche in Kraftfahrzeuge stiegen um 2,7 %. Ein Hinweis darauf, dass geparkte Fahrzeuge weiterhin ein beliebtes Ziel bleiben.
Gewalt gegen Beamte stark gestiegen
Die Gewaltkriminalität stieg insgesamt leicht auf 31.430 Fälle (+1,4 %). Besonders auffällig: Gewalt gegen Beamte nahm um 22,4 % zu — ein Wert, der deutlich aus dem Rahmen fällt. Körperverletzungen insgesamt stiegen um 2 %. Die Zahl vollendeter Morde sank hingegen auf 15 Fälle (2024: 26), 14 davon wurden aufgeklärt.
Jugendkriminalität: deutlicher Anstieg
Der besorgniserregendste Trend betrifft junge Tatverdächtige. Die Zahl der unter 21-Jährigen stieg auf 23.776 — ein Plus von 10,7 % gegenüber 2024. Besonders markant in der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen:
- Einbruchsdiebstähle: +20,7 % (2.527 Fälle)
- Körperverletzung: +23,5 % (955 Fälle)
- Selbst bei den unter 10-Jährigen stieg die Zahl der Tatverdächtigen von 216 auf 243
Die Wiener Polizei reagiert mit einer interdisziplinären Arbeitsgruppe „Kinder- und Jugendkriminalität“, die multiinstitutionell verankert ist und weiter ausgebaut wird.
Cybercrime: Rückgang, aber kein Grund zur Entwarnung
Internetkriminalität ging insgesamt um 7,2 % zurück — Internetbetrug sogar um 15,1 %. Trotzdem bleibt Cybercrime ein Schwerpunkt: Die Polizei plant eine Erhöhung der Zahl an IT-Ermittlern sowie verstärkte Präventionsarbeit.
Was die Zahlen für den Alltag bedeuten
Die Statistik zeigt: Wien wird in vielen Bereichen sicherer — aber nicht überall gleichmäßig. Einige konkrete Schlussfolgerungen:
- Fahrzeuge nie mit sichtbaren Wertsachen parken — Einbrüche in Kfz sind gestiegen
- Wohnungssicherung bleibt relevant, auch wenn Einbruchszahlen sinken — Rückgänge können sich umkehren
- Cyberbetrug geht zurück, bleibt aber eine reale Gefahr — gesundes Misstrauen gegenüber unbekannten Kontakten online ist weiterhin angebracht
- Jugendliche im sozialen Umfeld frühzeitig ansprechen — steigende Zahlen bei sehr jungen Tatverdächtigen sind ein gesellschaftliches Signal, kein reines Polizeiproblem
