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Aktuell

Hitze als Gesundheitsrisiko: Was die neue Hitzeschutzverordnung für Wien bedeutet

Foto: Envato Elements

Wenn die Temperaturen in Wien auf über 30 Grad steigen, denken viele an Freibad oder Schanigarten. Was dabei oft vergessen wird: Hitze ist ein ernstes Gesundheitsrisiko — und das nicht nur für vulnerable Gruppen. Seit 1. Jänner 2026 gilt in Österreich eine neue Hitzeschutzverordnung mit klaren gesetzlichen Pflichten für Arbeitgeber. Die Gefahr betrifft jedoch alle.

Hitze erhöht das Unfallrisiko — auch im Alltag

Laut Allgemeiner Unfallversicherungsanstalt (AUVA) steigt ab einer Tageshöchsttemperatur von 30 Grad das Risiko für Arbeitsunfälle um rund sieben Prozent. Hitze beeinträchtigt Konzentration, verlangsamt Reaktionen und belastet den Kreislauf. Was am Arbeitsplatz zu Unfällen führt, gilt im Alltag genauso: Stürze, Verkehrsunfälle und Fehleinschätzungen passieren bei Hitze häufiger — auch abseits der Arbeit.

Wien ist davon besonders betroffen. Als dicht bebaute Großstadt speichert die Stadt Wärme länger als das Umland. Hitzewellen treffen früher ein, dauern länger und kühlen nachts weniger ab.

UV-Strahlung: Die Gefahr beginnt bereits im April

Ein weiterer Aspekt, den die neue Verordnung in den Vordergrund rückt: Sonnenstrahlung. Kritische UV-Werte werden nicht erst im Hochsommer erreicht — sondern oft bereits ab April. Wer regelmäßig im Freien unterwegs ist, sei es beim Sport, auf dem Weg zur Arbeit oder im Garten, ist einer UV-Belastung ausgesetzt, die langfristig Schäden verursachen kann.

Seit März 2024 ist heller Hautkrebs durch UV-Strahlung in Österreich als Berufskrankheit anerkannt — ein klares Signal, wie ernst die Medizin dieses Risiko einschätzt.

Wer in Wien besonders gefährdet ist

Nicht alle tragen dasselbe Risiko. Besonders betroffen sind:

  • Ältere Menschen — der Körper reguliert Temperatur ab einem gewissen Alter weniger effektiv
  • Kleinkinder — überhitzen schneller, können Beschwerden kaum kommunizieren
  • Menschen mit Vorerkrankungen — Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes erhöhen das Risiko erheblich
  • Pendler und Außenberufstätige — lange Exposition ohne Schutzmöglichkeit
  • Bewohner von Dachgeschoßwohnungen — mangelnde nächtliche Abkühlung führt zu chronischem Schlafmangel und Erschöpfung

Was jede und jeder tun kann

Trinken — bevor der Durst kommt. Bei Hitze ist Durstgefühl ein verzögertes Signal. Mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser täglich, bei starker Hitze mehr. Koffein- und alkoholhaltige Getränke verstärken den Flüssigkeitsverlust.

Mittagshitze meiden. Zwischen 11 und 15 Uhr ist die UV-Belastung am höchsten. Körperliche Aktivitäten besser in die frühen Morgen- oder Abendstunden legen.

Sonnenschutz konsequent anwenden. LSF 30 oder höher, auch an bewölkten Tagen — UV-Strahlung durchdringt Wolken. Besonders exponiert: Gesicht, Hals und Unterarme.

Wohnräume kühl halten. Fenster tagsüber geschlossen und abgedunkelt, nachts lüften wenn die Außentemperatur sinkt. Bei über 35 Grad Außentemperatur erhöhen Ventilatoren die gefühlte Wärme — feuchte Tücher auf Handgelenken und Nacken helfen mehr.

Nachbarn und ältere Angehörige im Blick behalten. Hitzetote in Wien sind häufig Personen, die allein lebten. Ein kurzer Anruf oder Besuch kann Leben retten.

Warnsignal Hitzschlag — sofort handeln

Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und ausbleibendes Schwitzen trotz Hitze können Zeichen eines Hitzschlags sein — ein medizinischer Notfall. Sofort in den Schatten bringen, kühlen, Rettung rufen: 144.

Hitzeschutzräume in Wien

Die Stadt Wien betreibt in den Sommermonaten klimatisierte Hitzeschutzräume, in denen sich alle aufhalten können. Informationen dazu sind über die MA 40 erhältlich. Bei extremen Temperaturen wird zusätzlich die Hitze-Hotline der Stadt Wien aktiviert.