Der Frauenanteil in der österreichischen Bundespolizei liegt derzeit bei rund 21,5 Prozent. In Wien bewegt sich der Anteil in einer ähnlichen Größenordnung. Auf Führungsebene zeigt sich jedoch weiterhin ein deutliches Ungleichgewicht: Nur 7,8 Prozent der höchsten Polizeifunktionen sind mit Frauen besetzt.
Von insgesamt 832 Polizeiinspektionen in Österreich werden derzeit lediglich 17 von Frauen geleitet. Diese Zahlen verdeutlichen, dass trotz Fortschritten struktureller Handlungsbedarf besteht.
Gleichzeitig gibt es eine erkennbare Entwicklung: Rund 33 Prozent der aktuell in Ausbildung befindlichen Polizeischülerinnen und -schüler sind Frauen. Der Nachwuchs könnte somit langfristig für eine ausgewogenere Repräsentation sorgen.
Von der Sonderrolle zur Vollintegration
Frauen sind seit 1991 in Österreich rechtlich in allen Polizeibereichen gleichgestellt. Davor waren sie nur eingeschränkt eingesetzt – etwa im ruhenden Verkehr, unbewaffnet oder im Kriminaldienst vorwiegend bei „frauenspezifischen“ Aufgaben wie der Betreuung von Opfern sexualisierter Gewalt.
Heute sind Polizistinnen in sämtlichen Bereichen vertreten: als Diensthundeführerinnen, Alpinpolizistinnen, Pilotinnen bei der Flugpolizei, Spezialistinnen in der Kriminaltechnik, im Einsatztraining oder auch in Spezialeinheiten wie dem Einsatzkommando Cobra.
Ein sichtbares Zeichen dieser Entwicklung war 2020 die Ernennung von Xenia Zauner zur ersten weiblichen Einsatzleiterin der Wiener Polizei.
Karrierewege innerhalb der Polizei
Claudia Holzgruber gehört zu jener Generation von Polizistinnen, die früh in einem stark männerdominierten Umfeld begonnen haben. 1993 trat sie ihren Dienst im dritten Wiener Gemeindebezirk an – damals eine von nur zwei Frauen auf der Inspektion.
Ihre Laufbahn führte sie vom Streifendienst am Bahnhof Wien Mitte über Öffentlichkeitsarbeit und kriminalpolizeiliche Sondereinheiten bis hin zum heutigen Einsatz im Recruiting. Die Polizei beschreibt sie als vielseitigen Beruf mit zahlreichen Entwicklungsmöglichkeiten und flexiblen Zeitmodellen, die auch mit familiären Verpflichtungen vereinbar sind.
Innerhalb der Organisation sieht sie keine strukturelle Benachteiligung: gleiche Rechte, gleiche Pflichten, gleiche Ausbildung, gleiches Gehalt. Herausforderungen sieht sie eher im Umgang mit vereinzelten Vorurteilen in Teilen der Bevölkerung – ein Thema, das sich über die Jahre jedoch spürbar verbessert habe.
Frauen in Führungspositionen
Österreichweit versehen rund 5.700 Frauen Exekutivdienst, etwa 1.170 befinden sich in Ausbildung. Auf mittlerer Führungsebene liegt der Frauenanteil bei rund 14,7 Prozent. In der höchsten Führungsebene – den Polizeioffizierinnen – sind es 43 Frauen, was einem Anteil von 7,8 Prozent entspricht.
Die steigende Zahl an weiblichen Bewerberinnen deutet darauf hin, dass sich die Zusammensetzung der Polizei in den kommenden Jahren weiter verändern wird.
Eine moderne Sicherheitsorganisation spiegelt im Idealfall die Gesellschaft wider, die sie schützt. Der steigende Frauenanteil ist daher nicht nur eine Frage der Gleichstellung, sondern auch der Weiterentwicklung einer zeitgemäßen Polizei.
