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Aktuell

Kampf gegen den Tod im Verkehr: Warum die Zahlen wieder steigen

Foto: Envato Elements

Die Zahl der Verkehrstoten in Österreich ist heuer erneut gestiegen. Seit Jahresbeginn kamen 345 Menschen auf Österreichs Straßen ums Leben. Besonders deutlich ist der Anstieg in Oberösterreich, wo die Zahl der Todesopfer im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Drittel zunahm.

Das offizielle Verkehrssicherheitsziel lag bereits 2020 bei weniger als 312 Todesopfern pro Jahr. Dieses Ziel wurde weder 2021 noch im laufenden Jahr erreicht.

Tempo als Sicherheitsfaktor

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) fordert als Reaktion strukturelle Maßnahmen zur Reduktion schwerer Unfälle. Ein zentraler Vorschlag ist die Senkung des Tempolimits auf Freilandstraßen von 100 auf 80 km/h.

In vielen europäischen Ländern gelten bereits niedrigere Höchstgeschwindigkeiten außerhalb des Ortsgebiets. Laut VCÖ liegt das Tempolimit in 22 von 27 EU-Staaten zwischen 70 und 90 km/h – und damit unter dem österreichischen Niveau.

Freilandstraßen gelten als besonders unfallträchtig. Hohe Geschwindigkeiten erhöhen sowohl das Unfallrisiko als auch die Schwere der Verletzungen im Ernstfall.

Unterschiedliches Risiko je nach Verkehrsmittel

Eine Analyse des VCÖ zeigt deutliche Unterschiede im Unfallrisiko: In den vergangenen drei Jahren war das tödliche Unfallrisiko mit dem Pkw 15-mal höher als mit dem Bus und 78-mal höher als mit der Bahn.

Aus diesem Grund wird auch der Ausbau öffentlicher Verkehrsverbindungen in ländlichen Regionen gefordert. Insbesondere am Wochenende könnten Anrufsammeltaxis oder sogenannte Discobusse zur Reduktion schwerer Unfälle bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen beitragen.

Mehr Tote mit Fahrrad und E-Bike

Auch im Radverkehr ist ein Anstieg zu verzeichnen. Nach vorläufigen Zahlen kamen heuer 45 Radfahrerinnen und Radfahrer bei Verkehrsunfällen ums Leben. Der zunehmende Anteil von E-Bikes sowie fehlende oder unsichere Radverbindungen in ländlichen Gebieten werden als Risikofaktoren diskutiert.

Viele Siedlungen sind außerhalb von Ortsgebieten nur über Freilandstraßen erreichbar – oft ohne baulich getrennte Radinfrastruktur. Das erhöht das Konfliktpotenzial zwischen motorisiertem Verkehr und ungeschützten Verkehrsteilnehmern.

Verkehrssicherheit als Daueraufgabe

Verkehrssicherheit ist kein statischer Zustand, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Geschwindigkeitsmanagement, Infrastruktur, Verkehrsangebot und Bewusstseinsbildung wirken zusammen.

Die aktuellen Zahlen zeigen: Ohne zusätzliche Maßnahmen wird das angestrebte Sicherheitsniveau nicht erreicht. Jede statistische Zahl steht dabei für ein individuelles Schicksal – und für die Frage, welche präventiven Schritte künftig gesetzt werden.