Cyberangriffe, Sabotageakte und Wirtschaftsspionage stellen Wiens Unternehmen vor wachsende Herausforderungen. Betroffen sind längst nicht mehr nur Großkonzerne — laut einer aktuellen KPMG-Erhebung, an der auch die Wirtschaftskammer Wien beteiligt war, war der Angriff gegen jedes sechste Unternehmen in Wien erfolgreich. Jedes fünfte Unternehmen verzeichnete darüber hinaus eine Zunahme der Angriffe gegenüber dem Vorjahr.
Kleine Betriebe besonders im Visier
Automatisierte Angriffe — zunehmend auch mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz — machen auch Klein- und Mittelbetriebe zu attraktiven Zielen. „Cyberangriffe treffen nicht nur Großkonzerne. Gerade kleine und mittlere Betriebe zählen zu den häufigen Zielen, weil Sicherheitsmaßnahmen oft unterschätzt werden“, betont Martin Heimhilcher, Obmann der Sparte Information und Consulting der Wirtschaftskammer Wien.
Besonders gefährdet sind sogenannte „Hidden Champions“ — Unternehmen mit spezialisiertem Prozess- und Fertigungswissen, die international führende Positionen einnehmen, ohne große öffentliche Sichtbarkeit zu besitzen. Genau dieses schwer reproduzierbare Know-how macht sie zu attraktiven Zielen für Wirtschaftsspionage.
Nicht nur IT — auch Gebäude und Menschen
Neben klassischen Cyberangriffen spielen gezielte Desinformation, Angriffe auf kritische Infrastrukturen sowie physische Sicherheitsrisiken eine zunehmende Rolle. Betroffen sind nicht nur IT-Systeme, sondern auch Führungskräfte, Mitarbeiter, Gebäude, Lieferketten und sensible Unternehmensdaten. Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) im Bundesministerium für Inneres ist mit der Früherkennung und Analyse dieser Bedrohungen beauftragt.
Was Unternehmen — und alle anderen — tun können
„Viele Angriffe lassen sich durch einfache organisatorische und technische Maßnahmen verhindern“, so Heimhilcher. Grundlegende Schutzmaßnahmen gelten dabei für Betriebe und Privatpersonen gleichermaßen:
- Starke, einzigartige Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierung konsequent einsetzen
- Software und Systeme regelmäßig aktualisieren — veraltete Software ist das häufigste Einfallstor
- Mitarbeiter und Angehörige über aktuelle Betrugs- und Angriffsmethoden informieren
- Verdächtige E-Mails, Links und Anhänge nicht öffnen
- Sensible Daten regelmäßig sichern
- Im Ernstfall sofort handeln und Anzeige erstatten
Anlaufstellen bei Cybervorfällen
- Cybersecurity-Hotline der Wirtschaftskammer: 0800 888 133 — 7 Tage, 24 Stunden erreichbar, kostenlos
- Cybercrime Competence Centre (C4) des Bundeskriminalamts — rund um die Uhr für Fragen zu Internetkriminalität
- Polizei: 133
