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Aktuell

Erste Group pilotiert Quantenverschlüsselung für kritische Finanzinfrastruktur

Das Innenleben eines eQKD-Gerätes von zerothird. (©Alex Schwarz Photography)

Die Erste Group setzt erstmals in Europa auf verschränkungsbasierte Quantenverschlüsselung im kommerziellen Bankbetrieb. Gemeinsam mit A1 Group und dem österreichischen Deeptech-Unternehmen zerothird wurde eine quantensichere Lösung in die bestehende Glasfaser-Infrastruktur integriert.

Ziel ist es, kritische Finanzkommunikation langfristig gegen künftige Bedrohungen durch Quantencomputer abzusichern.

Schutz vor der Post-Quanten-Ära

Bisherige Verschlüsselungsverfahren basieren auf mathematischen Problemen, die für heutige Computer schwer zu lösen sind. Künftige Quantencomputer könnten diese jedoch erheblich schneller berechnen – und damit klassische Kryptografie angreifbar machen.

Die nun eingesetzte Technologie basiert auf sogenannter „Entangled Quantum-Key-Distribution“ (eQKD). Dabei werden verschränkte Photonen genutzt, um kryptografische Schlüssel physikalisch manipulationssicher zwischen Sender und Empfänger zu übertragen. Jeder Abhörversuch würde unmittelbar erkannt.

Das Pilotprojekt wurde in Wien erfolgreich umgesetzt. Die Ver- und Entschlüsselung sensibler Daten innerhalb der Bankeninfrastruktur funktionierte laut Angaben der Beteiligten stabil und skalierbar.

Wien–Frankfurt: Quantensichere Verbindung geplant

Im Rahmen des EU-unterstützten Projekts „QUAPITAL“ wird nun ein nächster Schritt vorbereitet: eine quantensichere Verbindung zwischen den Finanzplätzen Wien und Frankfurt.

Die physikalische Signaldämpfung in Glasfasern stellt bei größeren Distanzen eine technische Herausforderung dar. Gelingt die Umsetzung, wäre dies ein Meilenstein für paneuropäische Quantennetzwerke.

Österreichische Forschung im Realbetrieb

Die zugrunde liegende Technologie geht auf österreichische Spitzenforschung zurück. Mit der praktischen Implementierung in einer Bankinfrastruktur wird ein Schritt vom Labor in den operativen Betrieb vollzogen.

Laut internen Branchenrankings positioniert sich die Erste Group damit unter den führenden Finanzinstituten weltweit im Bereich Quantentechnologie.

Digitale Souveränität als strategisches Ziel

Das Projekt wird auch als Beitrag zur europäischen technologischen Souveränität gesehen. Während die USA und China massiv in Quantenforschung investieren, versucht Europa, eigene Infrastruktur und Sicherheitsstandards aufzubauen.

Für Banken bedeutet das vor allem eines: Vertrauen absichern. Finanzdaten zählen zu den sensibelsten Informationen überhaupt. Eine physikalisch abgesicherte Kommunikationsebene könnte künftig eine zusätzliche Schutzschicht darstellen.

Sicherheit als Wettbewerbsfaktor

Die Pilotierung quantensicherer Kommunikation ist mehr als ein Technologieprojekt. Sie ist ein strategischer Schritt, um kritische Infrastruktur langfristig resilient zu machen.

Noch befinden sich leistungsfähige Quantencomputer in Entwicklung. Doch die Vorbereitung beginnt jetzt. Für Finanzinstitute bedeutet das: Schutzmechanismen müssen bereits implementiert werden, bevor neue Bedrohungen marktreif sind.