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Spionagesoftware: Wenn das Smartphone zur Wanze wird

Foto: Envato Elements

Kommerzielle Überwachungsprogramme sind längst kein Randphänomen mehr. Sie sind ein globales Milliardengeschäft – technisch hochentwickelt, politisch umstritten und rechtlich vielfach unzureichend reguliert.

Im Zentrum der Debatte steht unter anderem die Spionagesoftware Pegasus. In mehreren europäischen Staaten – darunter Polen, Ungarn, Griechenland und Spanien – wurden Mobiltelefone von Journalistinnen, Journalisten, Oppositionellen und Regierungskritikern ausgespäht. Auch in Deutschland, Belgien, Frankreich und den Niederlanden laufen Untersuchungen.

Neben Pegasus kam in Griechenland etwa die Software Predator zum Einsatz. Insgesamt sind mehrere europäische Unternehmen an der Entwicklung oder Vermarktung solcher Programme beteiligt – darunter auch Firmen mit Bezug zu Österreich.

So funktionieren moderne Spähprogramme

Die Angriffe erfolgen überwiegend über Smartphones. Häufig werden manipulierte SMS oder Nachrichten über Messenger-Dienste verschickt. Teilweise reicht bereits ein verpasster Anruf, um Schadsoftware unbemerkt zu installieren – sogenannter „Zero-Click-Exploit“.

Ist das Gerät infiziert, erhält der Angreifer umfassenden Zugriff:

  • Fotos, Videos und Nachrichten

  • Standortdaten

  • Kontakte und E-Mails

  • Social-Media- und Online-Banking-Zugänge

  • Aktivierung von Mikrofon und Kamera

Damit wird das Smartphone faktisch zur mobilen Abhörstation.

Politische Dimension in Europa

Die Enthüllungen führten zur Einrichtung eines Untersuchungsausschusses im Europäisches Parlament. Der Ausschuss prüft Ankauf und Einsatz solcher Programme durch nationale Regierungen sowie mögliche Versäumnisse innerhalb europäischer Institutionen.

Europaabgeordnete wie Hannes Heide warnen vor einer Bedrohung für Demokratie und Grundrechte. Kritisiert wird insbesondere der Einsatz ohne ausreichende rechtsstaatliche Kontrolle.

Hersteller betonen hingegen, ihre Software werde ausschließlich an staatliche Stellen zur Bekämpfung schwerer Kriminalität und Terrorismus verkauft. Transparenz über konkrete Kunden oder Einsatzgebiete besteht jedoch kaum.

Auch Österreich betroffen?

In Österreich wurde die Entwicklung eines sogenannten „Staatstrojaners“ mit dem Namen Subzero bekannt. Details über Einsatzbedingungen oder mögliche Exporte sind nur eingeschränkt öffentlich zugänglich.

Parallel dazu laufen internationale Klagen: Unternehmen wie Apple und WhatsApp haben rechtliche Schritte gegen Hersteller von Spionagesoftware eingeleitet.

Warum das Thema alle betrifft

Auch wenn viele bekannte Fälle politisch motiviert waren, zeigt die technische Realität: Jedes Smartphone kann grundsätzlich Ziel eines solchen Angriffs werden.

Digitale Sicherheit ist damit nicht nur ein individuelles Thema, sondern eine Frage demokratischer Stabilität. Ohne klare gesetzliche Rahmenbedingungen und unabhängige Kontrolle besteht die Gefahr des Missbrauchs.

Spionagesoftware ist ein mächtiges Instrument. Entscheidend ist, unter welchen Bedingungen sie eingesetzt wird – und wer darüber wacht.