Eine Woche, 5.000 Polizistinnen und Polizisten, 500 abgewehrte Cyberangriffe — und kein einziger Waffeneinsatz. Die Wiener Polizei zieht nach dem 70. Eurovision Song Contest eine bemerkenswert ruhige Bilanz. Was auf den ersten Blick wie eine nüchterne Statistik wirkt, ist in Wahrheit das Ergebnis monatelanger Vorbereitung.
Größte Herausforderung: der digitale Raum
Während der ESC-Woche verzeichneten die Sicherheitsbehörden 500 ernstzunehmende Angriffe auf digitale Systeme — darunter die ESC-Homepage und die Zugangssysteme der Veranstaltungsorte. Das Ziel der Angreifer war, diese zu verlangsamen oder außer Betrieb zu setzen. Keiner dieser Versuche war erfolgreich. Bundespolizeidirektor Michael Takacs erklärte, solche Angriffe seien keine Ausnahme — sie treffen täglich Unternehmen und Institutionen weltweit. Der Unterschied beim ESC: Die Abwehr war vorbereitet.
22.000 Überprüfungen, null Waffeneinsatz
Landespolizeivizepräsident Dieter Csefan betonte, dass trotz des enormen Aufwands — täglich tausende Besucherinnen und Besucher, parallele Großveranstaltungen in der Stadt, Demonstrationen am Finaltag — kein einziger Vorfall den Einsatz einer Dienstwaffe oder körperlicher Gewalt erforderte.
Die Einsatzbilanz: 22.000 Personenüberprüfungen, 74 Anzeigen, 16 Festnahmen. 14 davon betrafen Teilnehmer einer Versammlung bei der Hauptbücherei am Finaltag, die trotz Abmahnung gegen das Vermummungsverbot verstießen. Parallel dazu mussten 5.000 Beamtinnen und Beamte — unterstützt durch Kräfte aus Bayern — nicht nur den ESC, sondern den gesamten Wiener Alltag absichern.
Sicherheitskonzept am Veranstaltungsort
ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher hob das Einlasskonzept hervor: Alle Taschen über A6-Größe, die nicht transparent waren, mussten vor dem Einlass abgegeben werden. Zusätzlich zur Polizei waren 500 private Sicherheitskräfte im Einsatz. Eine Person versuchte mit gefälschtem Backstage-Ausweis in den VIP-Bereich zu gelangen — sie wurde noch am Einlass gestoppt.
Rettungsdienste im Dauereinsatz
Parallel zur Polizeiarbeit leisteten die Wiener Rettungsorganisationen über 6.500 Einsätze im gesamten Stadtgebiet. Mittwoch war der intensivste Tag mit rund 1.100 Einsätzen. Der ambulante Dienst beim Veranstaltungsgelände verzeichnete 287 Einsätze — hauptsächlich Kreislaufprobleme und Erschöpfungszustände.
Was bleibt
Innenminister Gerhard Karner kündigte an, die Erkenntnisse aus dem ESC für künftige Großveranstaltungen in Österreich zu nutzen. Staatsschutzstaatssekretär Jörg Leichtfried brachte es auf den Punkt: Nicht einzelne Maßnahmen hätten den ESC sicher gemacht — sondern das Zusammenspiel aller Beteiligten.
